21. November 2018

Hetero-normativ: Wenn fast ein Fünftel der Opfer einfach verschwiegen wird

Dies konnte man am 20. November in der 20-Uhr-Tagesschau erleben: Ein mehrminütiger Bericht zur aktuell von Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey vorgestellten BKA-Studie zu „Partnerschaftsgewalt“ berichtet ausführlich über das Problem häuslicher Gewalt in allen Ausprägungen. Dabei sind im Bericht immer Frauen die Opfer, Männer die Täter. Mit keiner Silbe wird erwähnt, dass die Studie des BKA, sehr fein in Partnerschaften, Ehen, Lebenspartnerschaften aufschlüsselt, sehr detailliert immer Frauen und Männer als Opfer bzw. Tatverdächtige zählt (weitere Geschlechter wurden erst in 2018 in die Statistiken des BKA aufgenommen, sind hier also letztmalig nicht gelistet).

Anders als der Tagesschau-Bericht glauben macht liest man in der Studie des BKA, dass „24.928 (17,9%) Personen männlichen Geschlechts“ Opfer von „Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking Nötigung, Zuhälterei und Zwangsprostitution“ wurden (Seite 5). Hinzu kommen 206 Frauen als Opfer weiblicher Tatverdächtiger in eingetragenen Lebenspartnerschaften (Tabelle 1.1, Seite 26), die die Tagesschau verschweigt.

Da ist es kein Wunder, dass die Hilfs-Infrastrukturen für männliche Gewaltopfer noch weniger vorhanden sind, als diese in Form überbelegter Plätze in Frauenhäusern für weibliche Opfer zumindest angeboten werden und, so die Pläne der Familienministerin, weiter ausgebaut werden sollen.

zuletzt geändert am 21. Nov. 2018   —   Stand der Daten des Szene-Infosystems: 5. Dec. 2018